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Warum wir alle den Eurovision Song Contest boykottieren sollten

Der Eurovision Song Contest ist der grösste europäische Musikanlass und zahlreiche Musikgrössen haben mit einem Sieg ihre Karriere ins Rollen gebracht. Seit Jahren ruft die BDS-Bewegung jedoch wegen der israelischen Beteiligung zum Boykott des Anlasses auf. Der Boykott ist dieses Jahr dringlicher denn je. Ein Gastbeitrag von Shirin.

Am 13., 15. und 17. Mai 2025 ist es so weit, der Eurovision Song Contest (ESC) kommt nach Basel. Die Stadt am Rhein darf nach Nemos Sieg im letzten Jahr in Malmö zahlreiche europäische Länder sowie Australien und Israel mit Glimmer und Pomp willkommen heissen. Auch dieses Jahr ist Russland wieder nicht dabei. Das krieg­füh­rende Land wurde nach den ersten Angriffen gegen die Ukraine im Februar 2022 subito vom Contest ausgeschlossen.

Ausschluss von Russland

Am 25. Februar 2022, also genau einen Tag nachdem Russland mit der Invasion der Ukraine begann, verkündete die Europäische Rundfunk­union (EBU) mit Sitz in Genf, eine Teilnahme Russlands würde den ESC in Verruf bringen. Einige nationale Rundfunk­sender, darunter der finnische und der schwe­dische, hatten den Ausschluss Russlands explizit gefordert und weitere Stimmen aus unter­schied­lichen Ländern begrüssten die Entscheidung der EBU. Kriegstreiber*innen sind am ESC nicht erwünscht, das schien damals klar zu sein. Und die EBU möchte den Contest sowieso gerne ohne Politik über die Bühne bringen.

Was den Exeku­tivrat, in dessen Verant­wortung Entschei­dungen über den Ausschluss von Mitgliedern liegen, nicht zu stören scheint, sind Genozid, Kriegs­ver­brechen und Apartheid, die gezielte Tötung von Journalist*innen, Folter und syste­ma­tisch ausgeübte sexua­li­sierte Gewalt, wenn sie von Israel ausgehen.

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Inter­na­tionale Kritik an Israels Vorgehen

Zahlreiche Berichte palästi­nen­si­scher, israe­li­scher und inter­na­tio­naler Organi­sa­tionen, darunter Al Mezan, B’Tselem, Amnesty Inter­na­tional, Human Rights Watch, Reporter ohne Grenzen und das UNHCR werfen Israel all dies vor und der Inter­na­tionale Gerichtshof in Den Haag hat die Plausi­bi­lität eines Genozids in Gaza bereits vor über einem Jahr festgestellt.

Israel darf am Eurovision Song Contest teilnehmen, weil sein staat­licher Fernseh­sender KAN Mitglied der Europäi­schen Rundfunk­union (EBU) ist – dem Veran­stalter des ESC. Doch seit Beginn des Genozids in Gaza strahlt KAN immer wieder Beiträge aus, die nur so strotzen vor antipa­lä­sti­nen­si­schem Rassismus, Kriegs­trei­berei sowie der Verharm­losung von Apartheid und Genozid. Vor diesem Hinter­grund wirkt die israe­lische Präsenz im Mai in Basel besonders unerträglich.

Genozid-Witze im israe­li­schen Staatsfernsehen

So witzelt zum Beispiel der Jurist und Aktivist Barak Cohen in einer Comedy Show über die Super­kräfte israe­li­scher Soldat*innen, die es schaffen, auf Drogen einen Genozid zu begehen und gleich­zeitig zu studieren und zu demon­strieren. Darauf prote­stiert sein Gesprächs­partner, der israe­lische Fernseh­autor Roy Iddan, dass es sich bei dem, was in Gaza geschehe, leider (!) nicht um Genozid handle.

Öffent­liches Bedauern darüber, dass das, was von palästi­nen­si­schen und inter­na­tio­nalen Menschen­rechts­or­ga­ni­sa­tionen als Genozid einge­stuft wird, nicht dem von einem Israeli gewünschten Völkermord entspricht, ist im israe­li­schen staat­lichen Rundfunk also Comedy.

Diese haarsträu­benden, menschen­ver­ach­tenden und kriegs­trei­benden Beiträge scheinen bislang weder die EBU noch deren Schweizer Partnerin SRG SSR zu stören.

Dann ist da auch noch das KAN-Interview mit dem Infor­ma­tik­pro­fessor, der um jeden Preis Gaza und den Süden Libanons judai­sieren möchte, auch wenn dafür tausende palästi­nen­sische und libane­sische Menschen umgebracht werden müssen. Oder die KAN-Dokumen­tation, in der darüber sinniert wird, wie der Gazastreifen schon früher hätte ethnisch gesäubert werden können.

Diese und weitere haarsträu­bende, menschen­ver­ach­tende und kriegs­trei­bende Beiträge scheinen bislang weder die EBU noch deren Schweizer Partnerin SRG SSR zu stören. Was den ESC-Direktor Martin Green viel mehr beschäftigt, sind die anti-israe­li­schen Proteste, die es beim ESC 2024 in Malmö gegeben hat. Das wolle man in Basel nicht, sagte er in einem Interview im Tages­an­zeiger. Seiner Meinung nach ist und bleibt der ESC «ein Friedensprojekt».

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Nur was, wenn ein ESC-Partner­sender es mit dem Frieden nicht so ernst nimmt? Zum Beispiel dann, wenn ein Kinderchor bei KAN die Zeilen «Wir werden alle auslö­schen» singen darf oder eine Modera­torin in einer KAN-Sendung Bomben signiert, die danach auf Gaza abgefeuert werden?

Forderung nach ECS-Boykott

Dass die EBU kein Gehör für Menschen­rechts­an­liegen hat, ist nichts Neues. Die von der palästi­nen­si­schen Zivil­ge­sell­schaft getragene und an inter­na­tio­nalem Recht orien­tierte BDS-Bewegung setzt sich seit mehreren Jahren für einen Ausschluss Israels aus dem Eurovision Song Contest ein. Dabei steht BDS für Boykott, Desin­ve­stition und Sanktionen gegen Israel, bis dieses sich an Völker­recht hält. So fordert die Bewegung von Israel etwa das Ende der völker­rechts­wid­rigen Besetzung Gazas, der Westbank und Ostje­ru­salems, die Anerkennung der Grund­rechte palästi­nen­si­scher Bürger*innen Israels und die Achtung und Wahrung des Rückkehr­rechts palästi­nen­si­scher Flücht­linge, wie es die UN-Resolution 194 festhält.

Angesichts der aktuellen Inten­si­vierung und Ausweitung des Genozids – mit massiven Zerstö­rungen in der Westbank, der fortge­setzten Bombar­dierung Gazas und der gezielten Aushun­gerung der dortigen Zivil­be­völ­kerung – stellt sich die Frage nach der Verant­wortung derje­nigen Insti­tu­tionen, die Israel weiterhin eine Plattform bieten.

Die Europäische Rundfunk­union (EBU) und ihre Schweizer Partnerin SRG SSR halten trotz dieser Verbrechen an der Teilnahme Israels am ESC fest und ignorieren damit nicht nur die Forde­rungen zahlreicher Menschen­rechts­or­ga­ni­sa­tionen, sondern auch die Prinzipien, die sie zu vertreten vorgeben. Durch diese Haltung machen sie sich zu Kompliz*innen der israe­li­schen Kriegs­trei­berei – nicht weil sie aktiv Gewalt unter­stützen, sondern weil sie deren mediale Norma­li­sierung ermög­lichen und ihr eine inter­na­tionale Bühne bieten, ohne Konse­quenzen zu ziehen.

Die BDS-Bewegung und BDS Schweiz rufen deshalb dringend dazu auf, den Eurovision Song Contest auch dieses Jahr zu boykot­tieren. Künstler*innen, Musiker*innen und Event­lokale sollten sich möglichst aus dem Anlass zurück­ziehen und wer schon Tickets gekauft oder einen TV-Abend geplant hat, sollte sich gut überlegen, ob ein leerer Sitz im Stadion und ein ausge­schal­teter Bildschirm nicht adäquater sind, als Kriegsverbrecher*innen und deren Unterstützer*innen zuzujubeln.

 

Von Shirin

 

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